Botulinum Toxin

Die Behandlung mit Boltulinumtoxin

Zertifizierung für Anwendung von Botulinum Toxin (Österr. Gesellschaft für Parkinson und Dystonie)

Seit ca. 30 Jahren wird Botulinumtoxin in der Medizin, vorwiegend bei neurologischen Erkrankungen,  eingesetzt. Die Langzeiterfahrungen zeigen  eine gute Wirksamkeit und Sicherheit auch bei wiederholten Anwendungen über viele Jahre. Dies gilt jedoch nur für die Therapie erfahrener Ärzte. Um die Qualität der Behandlung zu sichern wurde eine fachspezifische Ausbildung und Zertifizierung etabliert.

Botulinumtoxin  Typ A ist ein natürlich vorkommendes gereinigtes Eiweiß (Protein), das ähnlich wie Penicillin, unter kontrollierten Laborbedingungen aus Bakterien isoliert wird. Es wird als Arzneimittel zur Entspannung der Muskulatur angewandt. In kleinsten Mengen wird es unter die Haut in die betroffene Muskulatur injiziert. Es schwächt die für die Muskelkontraktion verantwortlichen Nervensignale ab. Die Wirkung hält in der Regel 3 Monate an, Folgeinjektionen sind notwendig.

Anwendungen

Spastik

Die Injektion mit Botulinumtoxin A (Chemodenervation) bei spastisch bedingten Bewegungseinschränkungen und/ oder Fehlstellungen im Bereich der oberen und unteren Extremitäten ist eine etablierte Behandlungsmethode. Oft reichen medikamentöse Behandlungen nicht aus oder es entwickeln sich Nebenwirkungen wie zum Beispiel deutliche Müdigkeit, dann ist eine Behandlung mit Botulinumtoxin möglich.

Durch die Behandlung mit Botulinumtoxin A wird eine Reduktion der Muskelspannung in ausgewählten Muskeln herbeigeführt. Durch die lokale Anwendung sind Nebenwirkungen wie Müdigkeit nicht zu erwarten.

Bevor eine Behandlung durchgeführt wird, sollten realistische Therapieziele mit dem Patienten und ggf. auch mit den Angehörigen besprochen werden.
Mögliche Therapieziele:

  • Reduktion von Schmerzen
  • Pflegeerleichterung wie z. B. Lagerung, Körperpflege
  • Funktionsverbesserung und
  • Verbesserung der Therapierbarkeit, Selbständigkeit

 

Die Behandlung mit Botulinumtoxin A ist sicher, hat eine hohe Effektivität und geringe Nebenwirkungen. Eine Kombination mit allen anderen Therapieansätzen ist möglich.

Eine möglichst präzise Muskellokalisation ist bei der Injektion Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung, deshalb erfolgt dies Elektrostimulations- und Ultraschallkontrolliert.

Die Wirkung tritt nach ca. 10 bis 14 Tagen nach Injektion ein und hält ca. 3 Monate an. Im Anschluss daran ist eine erneute Behandlung notwendig. Es ist günstig, in dieser Zeit eine regelmäßige Ergo- und Physiotherapie durchzuführen.

Die Kosten für das Medikament werden nach entsprechendem Ansuchen, dass von uns gestellt wird, von der Krankenkasse übernommen.

Fokale Dystonien

Es handelt sich dabei um anhaltende, unwillkürliche Bewegungen bzw. abnorme Haltungen. In Österreich sind ca. 8000 bis 16 000 Menschen betroffen. Dystonien können zu schweren Einschränkungen im Berufsleben und zu Behinderungen bei den Alltagsaktivitäten führen als auch mit erheblichen Leidensdruck verbunden sein.

Bei den s.g. fokalen Dystonien werden verschiedene Formen unterschieden. Die häufigste Form ist der „Schiefhals“ mit Seitwärtsdrehung des Kinns in Richtung Schulter, Beugung oder Streckung des Halses. Teilweise kann es auch zu rhythmischen Bewegungen kommen.

Extremitätendystonien treten an Armen oder Beinen auf.  Es gibt fixierte als auch tätigkeitsabhängige  Fehlstellungen bzw. Verkrampfungen z. B. beim Schreibkrampf oder Verkrampfungen der Zehen beim Gehen (dystoner Klumpfuß).

Zu Verkrampfungen der Lidmuskulatur mit unwillkürlichem Lidschluss kommt es z. B. beim Blepharospasmus. Alltagsaktivitäten können dadurch deutlich beeinträchtigt sein.

Bei allen fokalen Dystonien ist die lokale Behandlung mit Botulinumtoxin Mittel der ersten Wahl. Auch hierbei werden die verkrampften Muskeln gezielt behandelt. Schmerzen bessern sich, die Fehlstellungen bzw. Verkrampfungen sind rückläufig. Die Wirkung setzt nach einigen Tagen ein, regelmäßige Behandlungsintervalle  nach ca. 10 bis 12 Wochen sind notwendig, da die Wirkung von Botulinumtoxin nachlässt.

Migräne

Bei der Migräne kommt es zu attackenförmigen oft einseitigen Schmerzsensationen, häufig mit Übelkeit und Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Auch bei Migräne ist eine Botulinumtoxin- Behandlung möglich, insbesondere bei chronischer Migräne (über 15 Kopfschmerztage im Monat). Die Häufigkeit und die Stärke der Kofschmerzattacken können deutlich vermindert werden. Andere medikamentöse Behandlungen können zu Nebenwirkungen führen oder sogar die Migräne verschlechtern  im Sinne eines Medikamenten induzierten Kopfschmerzes.

Im Rahmen wissenschaftlicher Studien wurde ein standartisiertes Injektionsschema entwickelt, was individuell an die besonderen Bedürfnisse der Patienten angepasst werden kann. Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist effektiv und nebenwirkungsarm und eine gute Alternative zu oralen medikamentösen Behandlungen.

Eine Widerholungsbehandlung ist nach 3 bis 5 Monaten notwendig. Die Kosten für das Medikament übernimmt die jeweilige Krankenkasse nach vorherigem Kostenübernahme-Ansuchen, welches durch uns gestellt wird.

Neuropathischer Schmerz

Nervenschmerzen sind Schmerzen, welche durch eine Schädigung des Nervensystems hervorgerufen werden. Spezielle Medikamente erbringen in vielen Fällen eine deutliche Schmerzreduktion.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass auch Botulinumtoxin eine gute Wirksamkeit zeigt, es handelt sich dabei um eine sogenannte off label- Behandlung (keine offizielle Zulassung).

In Einzelfällen, insbesondere bei Medikamentenunverträglichkeiten oder fehlender Wirksamkeit, ist ein Behandlungsversuch  z. B. bei Trigeminusneuralgie gerechtfertigt.

Myofaszialer Schmerz

Es handelt sich dabei nicht nur um einen Muskelschmerz, betroffen sind auch die angrenzenden Sehnen und Nerven. Der Schmerzcharakter wird meist als dumpf drückend, machmal auch als brennend angegeben. Oft finden sich schmerzhafte punktförmige Muskelverhärtungen (Triggerpunkte).

Neben der konservativen Behandlung mit  Gabe von muskelentspannenden Medikamenten in Verbindung mit Dehnungsübungen und Faszientraining kann im Einzelfall bei Therapieversagen auch ein Behandlungsversuch mit Botulinumtoxin durchgeführt werden. Dadurch wird die krankhaft gesteigerte Muskelaktivität verringert, welche verantwortlich ist für die Schmerzentstehung, die Muskulatur ist entspannter, die Durchblutung gebessert.

Es handelt sich dabei ebenfalls um eine s. g. off label Behandlung.

Fokale Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)

Es handelt sich dabei um eine übermäßige Schweißproduktion über das normale Maß, was zur Normalisierung der Körpertemperatur benötigt wird, hinaus. Selten kann eine Schilddrüsenfunktionsstörung die Ursache sein. Am häufigsten tritt die übermäßige Schweißproduktion  an Hand- oder Fußflächen sowie Achseln als auch an den Haaransätzen auf.

Die Behandlung kann mit lokalen Salbenanwendungen, Medikamenten oder Iontophorese durchgeführt werden.

Durch eine Behandlung mit Botulinumtoxin kann die Aktivität der Schweißdrüsen deutlich reduziert werden. Die Wirkung hält 3 bis 6 Monate an, dann ist eine Wiederholungsbehandlung notwendig.

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